Neuzugang im Forum

Hallo ihr Lieben,

Ich bin neu hier - arbeite in der IT Branche - interessiere mich für LoRaWAN und bin im Zuge meiner Recherche auch auf Funkfeuer gestoßen. Auch dieses Thema finde ich äußerst interessant.

Leider kann ich mir noch nicht gut vorstellen, wieso das Funkfeuer Netzwerk existiert.
Kann mir jemand praktische Beispiele nennen, warum ihr dieses Netzwerk betreibt?

Welche Hardware wird zum Betreiben eines einfachen Funkfeuer benötigt?
Wie hoch sind die Kosten?

Kann ein Funkfeuer auch von einem Balkon betrieben werden? Macht das Sinn? Kann man damit das Netzwerk unterstützen?
Wie kann man das Funkfeuer Netzwerk nutzen, wenn man kein Dach zur Montage einer Antenne zur Verfügung hat?

vielen Dank
Wolfgang

Hallo Wolfgang!

Das Netz existiert, weil „Wir sind das Netz“ unser Motto ist.

Ein praktisches Beispiel: Wenn Du in einem EFH wohnst, wo die Provider 20 Meter Straße aufgraben müssten und Dir das in Rechnung stellen würden, würdest Du tausende Euro zahlen, nur damit das Kabel bei Dir eingeleitet wird. Du bekommst ein Providermodem, bei dem Features für Dich unzugänglich und nicht änderbar sind. Und, wenn in das Kabel einmal der Bagger reinfährt, bist Du auch erst einmal länger offline. Du rufst bei Problemen bei einer Hotline an, wo Du nach einer gewissen Wartezeit mit jemandem sprichst, der vielleicht das Problem gar nicht versteht, oder es nicht lösen kann oder darf.

Funkfeuer oder Community-Netzwerke sind der umgekehrte Ansatz. Wir helfen einander gegenseitig, sind füreinander da und teilen unser gesammeltes Wissen und unsere Erfahrung. Das klappt auch nicht immer perfekt, aber recht gut. Funkfeuer hatte etwa schon IPv6, als so mancher Provider es noch nicht anrühren wollte. Manchmal erstaunt mich auch, wie flott unsere Reaktionszeiten sind, obwohl wir gemeinnützig und idR unentgeltlich arbeiten. Etliche von uns sind auch in der IT tätig. Manche haben von Technik keinen Schimmer. Man hilft sich gegenseitig.

Idealerweise besteht ein Knoten derzeit aus einem Router, auf dem die Routing-Software (olsr, olsrv2) läuft und mehreren Antennen im Bridge-Mode. Ergänzend haben wir einen Tunnelserver, der über Providerleitungen disjunkte Gebiete („Funkinseln“) anzubinden vermag. Die Antennen sind üblicherweise fachgerecht auf dem Dach zu montieren und werden aktuell als Richtfunkverbindungen gezielt aufgebaut. Rundstrahlantennen sind mittlerweile Geschichte.

Voraussetzung für einen Funkfeuer-Knoten ist eine freie Fresnel-Zone (direkte Sicht) zu einem (oder mehreren) Nachbarknoten, der nicht kilometerweit entfernt ist. Je nach Art Deiner des Bauwerks, auf dem Du das machen möchtest, kann das auch ein höher gelegener Balkon sein. Vorzugsweise handelt es sich um einen Mast auf dem Dach oder einem Kamin. Das kommt immer auf die Gegebenheiten an Ort und Stelle an.

Funkfeuer ist auch über den Tunnel nutzbar, allerdings wünschen wir uns, dass jeder Knoten das Signal an einen oder mehrere andere Knoten weiterreicht.
Wer in einem Mietshaus wohnt, kann einen Antrag auf die Errichtung einer Antennenanlage stellen.

Zu den Kosten: Die Hardware kostet je nach Zusammenstellung ca. 200-300 Euro (ca. 70 für einen PoE-Router, 60-100 pro Antenne je nach Art. Mastmontagen nicht eingerechnet). Know-How gibt es hier.

Für die Teilnahme ist eine Registrierung erforderlich, mit der Du einen Account bekommst, über den Du Zugriff auf die Vereinsservices und die IP-Adresszuteilung bekommst.

Wenn Du selbst keinen Dachzugang hast, aber Nachbarn hast, die ihn haben, und die Du dafür begeistern kannst, ist Deine Anbindung sicherlich auch kein großes Problem.

Hast Du noch Fragen?

Hallo Erich,

vielen Dank für die umfassende Erklärung … ich bin begeistert und neugierig.
Bei einer Antennenanlage auf dem Dach des Miethauses, werde ich wohl die Genehmigung aller Eigentümer einholen müssen, denke ich.

Was mir jetzt noch unklar ist, wie funktioniert die Anbindung in das WWW … wie funktioniert dies?

kurz gefasst, verzichtet man auf einen Provider und ist selbst Provider in einem Netzwerk voller Gleichgesinnter … großartig.

Welche Internetgeschwindigkeiten sind hier möglich?

Wir betrachten uns nicht als Provider, sondern als experimentelles Netzwerk, das auch seinen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Der Verein wird von einigen Providern und in der Vergangenheit von wien.kultur gefördert. Wir verfügen daher über redundanten Uplink und professionelle Unterstützung, aber Internetzugang ist andererseits auch nicht garantiert. Aber es eine niedrige Verfügbarkeit würde auch die Ehre so mancher Techniker verletzen, von daher geben wir uns alle Mühe.

Geschwindigkeiten: alles, was das WLAN hergibt - das ist neben dynamischem Routing Teil des Experiments.

Ad Mietshaus - das kommt darauf an, ob und welcher Teil des MRG konkret anwendbar ist.

@vchrizz möchtest Du da Deinen Standardtext beisteuern?

Hi, ich weiß nicht ob es hilfreich ist, ich habe für die Oststeirmark einen Kompaktleitfaden in den letzten Monaten geschrieben, halt von allem ein bisschen was, damit man eine Vorstellung bekommt:
https://funkfeuer-oststeiermark.webnode.at/l/funkfeuer-kompakt-leitfaden/
Bin natürlich für Verbesserungsvorschläge offen…

Danke dir …